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Kultur und Nachhaltigkeit zusammen denken. Kultur ist ein Multiplikator für nachhaltige Entwicklung und wurde explizit in die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen – „Sustainable Development Goals“ (SDGs) - aufgenommen. Das Unterziel 11.4 fordert verstärkte Bemühungen zum Schutz und zur Wahrung des Kulturerbes.
Nachhaltige Entwicklung wird erst durch gesellschaftlichen Wandel möglich, Kultur ist dafür ein wichtiger Katalysator: Kreativ- und Kulturorganisationen sind aufgrund ihres Stellenwertes und ihrer Reichweite in der Gesellschaft prädestiniert, einen inklusiven, transformativen Wandel hin zu nachhaltigem Denken und Handeln voranzutreiben. Die Kultur unterstützt und fördert diesen Wandel, indem sie Visionen entwickelt, in ihren eigenen Strukturen und Organisationen Veränderungen erprobt und herbeiführt, und den öffentlichen Diskurs mitgestaltet.

Die Kulturlandschaft in Dresden in Bewegung. Dresden hat eine lebendige und vielfältige Kunst- und Kulturszene. Ihr kommt damit eine Schlüsselrolle in der Stadtgesellschaft zu: Sie wirkt identitätsstiftend, fördert Teilhabe, Kreativität und Innovation; sie erhöht die Lebensqualität der Bevölkerung und steigert die Attraktivität der Stadt. Kultur ist ein verbindendes Element zwischen den drei klassischen Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Wirtschaft und Soziales, und hat deshalb transformatives Potential. Der Kulturentwicklungsplan Dresdens (2020) bezeichnet Klimaschutz und Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe und sieht die Entwicklung eines sektorenübergreifenden Handlungsrahmens für die Maßnahmenplanung als wichtigen nächsten Schritt für den lokalen Kulturbetrieb an.

Eine gemeinsame Vision. Die Dresdner Kulturverwaltung hat sich gemeinsam mit den nachgeordneten Kultureinrichtungen zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema der Kulturentwicklungsplanung zu machen. Bis 2030 sollen alle Dresdner Kultureinrichtungen mit einer erfolgreich implementierten Nachhaltigkeitsstrategie in die Gesellschaft wirken. Neben einem vielfältigen und qualitativ hochwertigen künstlerischen Programm sollen umfassende Bildungsangebote für alle Generationen erarbeitet werden und Partnerschaften mit Wissenschafts- und Umweltinstituten übergreifendes Denken und Handeln fördern. Jeder Kulturbetrieb hat seit 2021 erfolgreich eine Nachhaltigkeitsstrategie implementiert, die einerseits Maßnahmen zum Klimaschutz enthält und die andererseits innere soziale und wirtschaftliche Strukturen zukunftsfähig organisiert hat. Das impliziert einerseits Maßnahmen zum Klimaschutz – wie z.B. ressourcenschonende Produktion, umweltfreundliche Energie und Technik oder Kommunikation ohne Print-Produkte – und andererseits den Wandel von inneren sozialen Strukturen – etwa Geschlechter- und Altersgerechtigkeit, faire Löhne bei fairen Arbeitsbedingungen. Dabei spielt die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine zentrale Rolle.
Für den kommunalen Kultursektor muss in diesem Zusammenhang in den nächsten Jahren vor allem der Handlungsrahmen für sinnvolle Maßnahmen definiert werden.
Im Mai 2020 initiierte das Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden mit einer digitalen Tagung zum Thema „Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur“ den Auftakt für die Umsetzung dieser Vision. Gemeinsam mit externen Partnern wurden ausgehend von der Metaebene einzelne Arbeitsbereiche in Kulturbetrieben in Augenschein genommen.

Der Weg zu einer nachhaltigen Landeshauptstadt. Im Januar 2020 hat der Dresdner Stadtrat Klimaschutz zur städtischen Aufgabe von höchster Priorität erklärt. Bereits deutlich vor 2050 soll Dresden klimaneutral sein Bei allen Entscheidungen wurden und werden seitdem Auswirkungen auf das Klima berücksichtigt. Dies ist kein Einzelfall. Deutschlandweit haben schon 73 Städte den Klimanotstand ausgerufen und sind damit sogar noch einen Schritt weiter gegangen als die Landeshauptstadt.

Culture for Future – das Projekt

Ziel und strategischer Ansatz. Das Projekt Culture for Future begleitet die Erstellung und Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in Dresdner Kulturbetrieben. Es wurde vom Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden und dem Umweltzentrum Dresden initiiert und wird in der Durchführung von der unabhängigen Denkfabrik und Beratungseinrichtung für Klima, Umwelt und Entwicklung adelphi unterstützt. Gefördert wird es durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung. Für das Pilotprojekt wurden bewusst fünf Kultureinrichtungen aus unterschiedlichen Kulturbereichen ausgewählt, vom Orchester über Museum, Bibliothek, Theater bis hin zum Musikfestival. Die unterschiedlichen Maßnahmenkataloge und an die jeweilige Einrichtung angepassten Herangehensweisen sollen Orientierung für die eigene Nachhaltigkeitsstrategie weiterer Einrichtungen bieten.
Die Erfolge dieser fünf Leuchtturmprojekte und die jeweiligen Herausforderungen im Prozess sollen Nachhaltigkeit als Thema in der Kultur weiter etablieren und mit Praxisbeispielen illustrieren.

Nachhaltigkeitsstrategien partizipativ entwickeln und leben. Im Zentrum des Projektes steht der partizipative Gedanke – die Kultureinrichtungen sollen vor allem dabei unterstützt werden, ihre Maßnahmen in einem Prozess der Teilhabe zu starten. Dadurch werden alle Mitarbeitenden auf der Nachhaltigkeitsreise mitgenommen und können selbst zu Akteuren zu werden. Durch die „bottom-up“-Entwicklung entwickeln sie ein hohes Maß an Identifikation mit der Nachhaltigkeitsstrategie. Darüber hinaus ermöglicht die Einbindung von Mitarbeitenden aus allen Bereichen eine enge Verzahnung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen mit der alltäglichen Arbeit und schafft damit die Grundlage dafür, dass die Nachhaltigkeitsstrategie gelebt und umgesetzt wird.
Im ersten Workshop wurde jeweils gemeinsam mit Mitarbeitenden eine Vision von Nachhaltigkeit entwickelt und das Zukunftsbild innerhalb verschiedener Aktionsfelder ausdifferenziert. Für die Erreichung der Leitziele wurden innerhalb Aktionsfelder in einem weiteren Workshop konkrete Maßnahmen erarbeitet und in der abschließenden Veranstaltung deren Umsetzung, Verstetigung und Berichterstattung durch die Entwicklung geeigneter Wirkungsindikatoren gefördert (Co-Creation).

Die Kulturlandschaft vernetzt sich. Diese praxisnahe Arbeit innerhalb der Kulturinstitutionen wurde ergänzt durch die Formate Culture Connect und den Peer Catch-up. Die Culture Connect-Veranstaltungen mit einem regionalen Teilnehmerkreis dienten insbesondere dem Wissenstransfer und deckten Themen mit zentraler und oftmals alltäglicher Relevanz für Nachhaltigkeitsinitiativen in Kultureinrichtungen in Dresden und darüber hinaus ab.
Im Fokus der Peer Catch-up Reihe stand die Vernetzung und der Austausch zwischen den fünf am Projekt teilnehmenden Institutionen und dem stetig wachsenden Netzwerk an Kultureinrichtungen mit Interesse an Nachhaltigkeit. Das Ziel dieser Veranstaltungen war die Vertiefung der Kollaboration verschiedenster Kultursparten, um Synergien offenzulegen und gegenseitige Fortschritte kennenzulernen.

Der Beginn des Weges hin zur grünen Staatsoperette

Für die Staatsoperette Dresden startete die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Nachhaltigkeit mit Beginn des Projektes Culture for Future im April 2021. Durch den externen Impuls verstand es die Organisation schnell, aus verschiedensten Abteilungen Mitarbeitende für das Thema zu begeistern. Es entstand eine multidisziplinäre Arbeits-
gruppe „Nachhaltigkeit“, bestehend aus Ensemblemitgliedern und Vertretenden aus den Bereichen Bühnentechnik, Beleuchtung, Werkstätten, Kostüm, Maske, Regieassistenz, Besucherservice und Verwaltung. Der Beschluss, Nachhaltigkeit strategisch in ihre Arbeit integrieren zu wollen, wurde durch die erste Bestandaufnahme des Status Quo und der Erstellung einer ersten Nachhaltigkeitsvision manifestiert. Die aktive Mitgestaltung der Mitarbeitenden ist ein Treiber des Wandels. Partnerschaften wie der Austausch mit dem theater junge generation (tjg.), welches im gleichen Komplex arbeitet, oder auch der Beitritt in das Netzwerk „Orchester des Wandels“ sind externe Vernetzungsaktivitäten, um den Prozess auch nach außen zu öffnen und transparent zu sein.

Fallstudie Staatsoperette

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Charta

Dresdner Charta der Nachhaltigkeit in Kulturbetrieben – Ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit
Klar ist: Ein Wandel hin zu ökologisch und sozial nachhaltigeren Strukturen etabliert sich durch einen kulturellen Wandel, kommuniziert durch die klare Positionierung und den Gestaltungsraum kultureller Akteurinnen und Akteuren.

Zentrale Zielstellung dieser Charta ist es, eine umfassende Nachhaltigkeitstransformation des Kultursektors zu unterstützen, und mit dieser in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu wirken.

Kunst und Kultur leben von Vielfalt und Internationalität. Im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, dem Bewahren von materiellem und immateriellem Kulturgut und ökologisch-sozialer Verantwortung gilt es dabei, Wege für einen gewissenhaften Umgang mit künstlerischen, wissenschaftlichen und produktionsbedingt notwendigen Ressourcen zu finden. Dabei ist an den Kultureinrichtungen selbst, als Vorbild voranzugehen und Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu ergreifen und zu vermitteln.

Es ist die Überzeugung der Unterzeichnenden, dass die Leitsätze, Prinzipien und Kriterien dieser Charta auch für andere Kultureinrichtungen als Leitfaden dienen können. Damit verbindet sich der Aufruf an alle Kulturinstitutionen und Akteure im Kunst- und Kulturbereich, sich der Charta anzuschließen und eigene Nachhaltigkeitsanstrengungen zu unternehmen. Nur gemeinsam können wir schlagkräftig genug sein, die Herausforderungen anzugehen.

Dresdner Charta

für Nachhaltigkeit im Kultursektor
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