Kraftwerk Mitte – eine neue Theaterarchitektur für Dresden
Dresden kann sich glücklich schätzen: Die Industriebrache am Wettiner Platz, ein riesiges stillgelegtes Heizkraftwerksareal von 1920 mit nunmehr denkmalgeschützten Maschinenhallen und Turbinenhäusern, wird behutsam in ein neues »Theaterquartier für alle« transformiert und kann so vor dem Abriss gerettet werden: Leitbild  für das Architekturkonzept von vier Theaterspielstätten ist weder, exzentrische neue Architektur zu implantieren, welche die Vergangenheit verneint, noch das gute Alte zu wiederholen, es ist die Transformation des Vorhandenen in eine gemeinsame, lebenswerte Zukunft des Urbanen – mit Hilfe von Architektur und Kunst.
Die neuen Theater wirken über ihre markante Bühnen- und Probenhaussilhouette, schwebend über dem historischen Fabrikareal, weit hinaus in die Dresdner Stadtmitte. Im Quartiersmaßtab fasst eine markante, mit Industriestahl verkleidete Theaterfassade Neu- und Altbauten mit vier völlig unterschiedlichen Spielstätten architektonisch zusammen. Zwei hochmoderne Bühnentürme erlauben völlig neue Theatertechniken, eine liebevolle Sanierung transformiert eine der großen noch erhaltenen Maschinenhallen des ehemaligen Heizkraftwerkes in ein neues zukunftweisendes »Theaterareal für alle«. In Cotta entstehen neue Theaterwerkstätten. Man versteht: Theaterarchitektur scheint komplexer als jede Universitätsklinik zu sein.

Kraftwerk Mitte – ein Erfolgsmodell
Als planende Architekten sind wir stolz, dass wir mit unserer langjährigen Erfahrung im Theaterbau gemeinsam mit den Bau- und Theaterleuten den von der Politik vorgegebenen Kostenrahmen für diese in Deutschland sicher einmalige Mischung für so unterschiedliche künstlerische Theater-
konzepte wie für die Staatsoperette und für das Theater Junge Generation  tatsächlich noch unterschreiten konnten. Alle Fertigstellungstermine wurden eingehalten.
Unser Credo: Öffentliche Kulturprojekte müssen im Kostenrahmen bleiben. Dies gelingt nur, wenn sie verantwortlich und gemeinsam sparsam von Anfang an geplant werden. Kostensicherheit und Termintreue ist  die Chance für die Zukunft der öffentlichen Akzeptanz von neuen Kulturbauten in der Bundesrepublik – erst dann wird man sie endlich als Anreiz und Motor für zukünftige Stadtentwicklungen wahrnehmen und nicht nur als gescheiterte Millionengräber ablehnen.
Das Kraftwerk Mitte könnte ein Beispiel für die Zukunft der Theaterarchitektur in der Bundesrepublik werden: Billig muss nicht banal bedeuten; die Würde im Neubau liegt in der Erfindung einer neuen Einfachheit im Bauen, darum herum wird sich ein lebendiges Theater- und Kunstquartier für alle Dresdner am Wettiner Platz neu entwickeln. 

Prof. Dr. Jörg Friedrich, Archtiekt