Die Geschichte der Staatsoperette

Die Staatsoperette Dresden blickt mit ihren Vorgängern auf über 240 Jahre Tradition als musikalisches Volkstheater in Dresden zurück. Aufwendige und repräsentative Theaterbauten wie das Alberttheater, das Central-Theater und das Residenztheater begründeten in Dresden eine Tradition, die bis heute fortwirkt. Zeitweilig wurden alle drei Operettenhäuser gleichzeitig regelmäßig bespielt.

Nach der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 lag das kulturelle Leben am Boden. Doch schon im Sommer 1945 konnten das Komödienhaus und das Central-Theater, wenn gleich an anderer Stelle, ihren Betrieb wieder aufnehmen.
Neue Bühnen schossen wie Pilze aus dem Boden. Hatte es bis 1945 in Dresden fünf Theater gegeben, waren es im Herbst 1945 mehr als fünfzehn, die dem Bedürfnis des Publikums nach Ablenkung, Zerstreuung und Unterhaltung auf unterschiedliche Weise nachzukommen suchten. Der Theaterhunger schien ungeheuer, und die Behörden zeigten sich großzügig in der Erteilung von Konzessionen. Was an Sälen, Schulaulen, Kinos oder Werkskantinen zwischen Freital und Klotzsche, Cossebaude und Niedersedlitz heil geblieben war, wurde bespielt.
In der Goldenen Krone in Kleinzschachwitz hatte sich das Neue Theater etabliert, im »Feenpalast« in Leuben das Apollo-Theater - die heutige Staatsoperette Dresden. Nach dem Umbau des beliebten Gasthofes »Feenpalast« in ein Theater wurde am 18. August 1947 das Apollo-Theater in Dresden-Leuben eröffnet. Es war damals der erste Theaterumbau in Sachsen, vielleicht sogar in der ganzen damaligen sowjetischen Besatzungszone.
Am 2. Oktober 1947 nahm »Die lustige Witwe« Besitz von ihrer neuen Wirkungsstätte. Dieses Datum gilt als Stunde Null der heutigen Staatsoperette Dresden.

Der Kampf um die Zukunft der Staatsoperette

Vorgeschichte
Im Kommunalwahlkampf 2001 wurde der Neubau der Staatsoperette zum Thema. Oberbürgermeister-
Kandidat Dr. Ingolf Roßberg kündigte in Anzeigen an, die Operette »als Highlight unserer Kulturlandschaft und Wirtschaftsfaktor« ins Zentrum zu holen, denn »Das hat Dresden verdient!« (Sächsische Zeitung, 8. Juni 2001).

Aber auch nach seiner Wahl wurde die Standort-Entscheidung immer weiter verschoben. Wie eine Bombe schlug am 14. Oktober 2002 die Nachricht ein, dass Oberbürgermeister Roßberg und Kulturbürgermeister Dr. Lutz Vogel auf Grund der prekären Haushaltslage die Schließung der Staatsoperette ankündigten. Das später als »kalkulierte Provokation« zum »Wachrütteln der Politik« und »Aufbrechen von Verkrustungen im Haushalt der Stadt« deklarierte Ansinnen entfachte einen regelrechten Protest-Orkan.

Intendant Fritz Wendrich und sein Vize Jürgen Eggert kämpften gemeinsam mit Künstlern, Politikern und den Dresdner Bürgern für die Rettung des Volkstheaters. Musiker aus mehreren Dresdner Klangkörpern bliesen bei einer Demonstration dem Stadtrat symbolisch den Marsch, Protestresolutionen von namhaften Persönlichkeiten aus ganz Deutschland gingen ein, 107.000 Unterschriften wurden dem OB übergeben, und schon im Dezember bekannte sich der Stadtrat einstimmig zum Erhalt der Operette. Zuschauer und Mitarbeiter hatten ihr Theater verteidigt, aber die Diskussion über Rechtsform und Standort der Spielstätte entbrannte aufs Neue. Mit einer spektakulären Eröffnungsshow für die Spielzeit 2003/04 fegte das neue Leitungsteam gemeinsam mit dem Ensemble die Gespenster der drohenden Schließung aus dem Haus. OB Roßberg bekräftigte sein Neubau-Versprechen und überreichte die druckfrische Neuausgabe des Walzers »An der Elbe«, komponiert 1897 von Johann Strauss Sohn. Als Wolfgang Schaller am Ende des Programms inmitten seines Ensembles den elfminütigen Applaus des begeisterten Publikums entgegennahm, lachten ihm aus dem Zuschauerraum viele bereits bekannte Gesichter entgegen. Denn vom Tag seiner Berufung durch den Stadtrat im Mai 2002 an hatte er das getan, was für ihn aus seinen positiven und negativen Erfahrungen vorangegangener Intendanzen in Görlitz und Würzburg als eine Grundlage für nachhaltigen Erfolg galt: Er war rastlos und direkt auf Entscheider und Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft, auf Journalisten und Theaterleute zugegangen. So hatte Dresden den neuen Operettenintendanten kennengelernt, und es war klar, dass man fortan in jeder wichtigen Stadtratssitzung, bei jeder Premiere, in Vorstandsbüros und Redaktionen mit ihm und seinem Projekt »Operette im Zentrum« konfrontiert werden würde. Die Stadt und ihre Befindlichkeiten waren dem frisch gekürten »Operetter« nicht neu. Wolfgang Schaller machte sich daran, das Ensemble der Staatsoperette dorthin zurück zu bringen, wo die Wurzeln seiner Existenz waren: in die Mitte der Stadt.
Von der absicht, ein neues Theater zu errichten
Angespornt von der Bestandszusage aus dem Rathaus, begann man in Leuben alle Kräfte für die Weiterentwicklung des Ensembles und des Repertoires zu mobilisieren, um sich eines neuen Theaters würdig zu erweisen. Die Finanzlage der Stadt  blieb allerdings apokalyptisch, ständig taten sich neue Löcher auf, so groß wie die ewige Baugrube am Wiener Platz, die seit 1998 auf Investoren wartete und als »Wiener Loch« bespöttelt wurde. Genau da hinein sollte nun das Musiktheater der Zukunft. OB Ingolf Roßberg brachte seine Vorlage in den Stadtrat ein, nach der ein privater Investor dort einen Theaterneubau (auf 40 Prozent der Baufläche) und gewerblich genutzte Gebäude (60 Prozent der Baufläche) errichten sollte. Eine »Operetten-gGmbH« sollte als Ankermieter fungieren, Mieteinnahmen aus den kommerziell genutzten Flächen sollten die gering angesetzte Jahresmiete der Operette von 1,4 Mio. Euro gegenfinanzieren. Die Personalkosten des Theaters sollten durch einen Haustarifvertrag unter Verzicht der Beschäftigten auf alle Tariferhöhungen über zehn Jahre gedeckelt werden. Im Oktober 2007 stellte sich »überraschenderweise« heraus, dass sich kein Investor in der Lage sah, für1,4 Mio. Jahresmiete und einer Laufzeit von nur 12 Jahren das Projekt am Wiener Platz umzusetzen. Nun wurden nochmals die Varianten Sanierung in Leuben und Kooperation mit dem Staatsschauspiel  diskutiert. Wieder erreichten erst nachdrückliche Proteste aus der Bevölkerung, aus Politik, Kultur und Wirtschaft ein Umdenken. Unter dem Eindruck der vielversprechenden Perspektive für das stillgelegte Kraftwerk sprachen sich zur Oberbürgermeisterwahl im Frühjahr 2008 alle Kandidaten in ihren Programmen für die Operette im Zentrum aus. Einen Monat später wurde Helma Orosz zur Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden gewählt und bekannte sich kurz nach ihrem Amtsantritt auf einer Belegschaftsversammlung der Staatsoperette zum Neubauprojekt. In der Folge einigten die Stadt und die Gewerkschaften sich auf einen modifizierten Haustarifvertrag mit einer ungeheuren Investition der Mitarbeiter in die Zukunft ihres Theaters: Die Belegschaft, vertreten durch den kämpferischen und konstruktiv kooperierenden Personalrat unter Vorsitz des Requisite-Chefs Martin Liebe, verzichtet für den Theaterneubau von 2009 bis 2021 auf 8 Prozent ihres Gehaltes und stellt so 13 Mio. Euro bereit. Wenn nicht gebaut würde, sollte der Vertrag 2014 enden und das einbehaltene Geld zurückgezahlt werden. Anfang 2009 startete Helma Orosz die Spendenkampagne »Ihr Name auf einem Stuhl«. Dennoch wurde in den Haushaltsentwurf 2009/10 erstmal kein Cent für das Vorhaben eingestellt, das fast perfekte Paket wieder  aufgeschnürt und alle Varianten nochmals durchgespielt – eine echte Dresdener Entscheidungsfindung.

Im Oktober 2010 beschlossen SPD, Grüne, Linke und Bürgerfraktion mit knapper Mehrheit, die Ausschreibung für Staatsoperette und Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte als Doppelstandort. Dagegen erwog die Oberbürgermeisterin, ihr Veto einzulegen. Aber die Beständigkeit und Opferbereitschaft der Theaterleute, die Kreativität und die künstlerischen Erfolge des Ensembles, die Treue der Dresdner zu ihrer Operette und die offensichtlichen langfristigen Vorteile für die Wirtschaftlichkeit der Theater, die Stadtentwicklung und den Tourismus ließen sie davon abrücken.

Von nun an setzte sie den Stadtratsbeschluss konsequent um. Im Juli 2011 verabschiedete der Stadtrat mit 57 Ja-Stimmen die Ausschreibung für das Kraftwerk als Doppelstandort und verwarf das Investorenmodell, stattdessen sollte die städtische Projektgesellschaft Stesad das Bauvorhaben realisieren. Die Baukosten wurden auf 96 Mio. Euro veranschlagt, nach Ausschreibung im wettbewerblichen Dialog erhielt 2013 die Ed. Züblin AG den Zuschlag für die Ausführung der Bauten, die der Hamburger Architekturprofessor Jörg Friedrich entworfen hatte. Am 8. Juli 2014, nach 25 Jahren Diskussion, legten Oberbürgermeisterin Helma Orosz, der sächsische Innenminister Markus Ulbig, der Geschäftsführer der Kommunale Immobilien Dresden Axel Walther und die Intendanten Felicitas Loewe und Wolfgang Schaller den Grundstein für die Theater im Kraftwerk, die neue Heimstatt der Musen im Herzen Dresdens.