Irgendwo zwischen »Pygmalion«, »Aschenputtel« und »Pretty Woman«

Lerners und Loewes preisgekrönte Geschichte eines Cockney-Blumenmädchens, das in eine elegante Dame verwandelt wird, gilt als eines dergrößten Musicals aller Zeiten. Basierend auf George Bernard Shaws Stück»Pygmalion« ist »My Fair Lady« ein modernes Märchen über Transformation, Geschlechterpolitik und Klassenunterschiede. Die Wurzeln reichen bis in die griechische Mythologie und die Geschichte des sich verliebenden Bildhauers Pygmalion zurück, der eine seiner Kreationen zum Leben erweckt.Im Musical wird Eliza eine selbstbewusste und selbstbestimmende Persönlichkeit und deshalb eine ebenbürtige Gegenspielerin des Professors: Als Eliza lernt, das Ideal der perfekten Dame nachzuahmen und sich von ihren Wurzeln der Arbeiterklasse zu »befreien«, findet sie heraus, dass ihre Ehrlichkeit und Demut sie von der Oberschicht isoliert. Higgins ist erstmals gezwungen, seine frauenfeindlichen und klassenkämpferischen Ansichtenneu zu bewerten und lernt, Eliza als eine moderne Frau zu respektieren. Wer da nun wem letztlich Unterricht erteilt und auf welche Dinge es im Lebenwirklich ankommt, das wird auf humorvolle und zugleich anrührende Weisein »My Fair Lady« erzählt.

Es handelt sich um eine verantwortungsvolle Aufgabe, sich diesem Klassiker zu nähern. Das Original-Musical sowie der berühmte Film sind mit großen ikonografischen Momenten – wie beispielsweise »Ascot« – gespickt. Ich möchte dennoch versuchen, eine Erzählweise zu finden, die sich heutiger Bilder bedient, ohne jedoch das Stück zu verbiegen: Eine zeitlose Lesart dieser Geschichte vom ewigen Traum des Aufstiegs irgendwo zwischen »Pygmalion«, »Aschenputtel« und »Pretty Woman«.

Sebastian Ritschel