Vor der Premiere: Ein Hauch von Venus (One Touch of Venus)

»New Art is True Art« (Neue Kunst ist wahre Kunst) – dies ist der Titel des Eröffnungssongs des Musicals »Ein Hauch von Venus« (One Touch of Venus),und diesem Motto folgend bemühen wir uns an der Staatsoperette neben der Pflege all der wunderbaren, bekannten Werke des Repertoires immer wiederauch um die »neue«, zu unrecht vergessene oder unbekannte Literatur: Uraufführungen, Wiederentdeckungen und deutsche Erstaufführungen sind ein wichtiger Aspekt unseres Spielplans.

Während man in Deutschland mit Kurt Weill vor allem die in der Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandenen Werke verbindet, ist weitgehend unbekannt, dass Weill in den Jahren 1935 bis 1950 ein sehr erfolgreicher Musical-Komponist am New Yorker Broadway mit großem Einfluss auf die Jazz-Szene und spätere Musiker-Generationen war: Interpreten wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra oder auch Nick Cave, Elvis Costello und The Doors interpretierten seine Stücke in ihrer Zeit.

2013 konnte man an der Staatsoperette die deutsche Erstaufführung der Broadway-Operette »Viel Lärm um Liebe« erleben, 2019 steht mit »Ein Hauch von Venus« das erfolgreichste Broadway-Musical von Kurt Weill auf dem Spielplan, das es nach der Premiere am 7. Oktober 1943 auf sagenhafte 567 Aufführungen brachte. Die Musik ist stilistisch sehr facettenreich und meisterhaft instrumentiert, die Songs reichen von sanften Liebesballaden zu swingenden Tanznummern und enthalten einige der wunderbarsten Weill-Nummern überhaupt: das verführerische »Speak Low«, den rauschenden Walzer »FoolishHeart«, das freche »I'm a Stranger Here Myself«, die Comedy Nummern »The Trouble with Women« und natürlich den bewegenden »West Wind«. Diese Titel stürmten damals die Hitparaden und zählen bis heute zu den großen klassischen amerikanischen Songs. Entsprechend groß ist meine Vorfreude auf diese Produktion, bringt sie doch auch ein Wiedersehen mit dem Regisseur Matthias Davids, der uns von »Wonderful Town« noch in bester Erinnerung ist.

Peter Christian Feigel