Ich bin der König der Bettler

Elmar Andree über seine Rolle in »Die Dreigroschenoper«
»Die Dreigroschenoper« von Bertolt Brecht und Kurt Weill nimmt im Repertoire jedes Theaters eine Sonderstellung ein, sie ist nicht wirklich Oper, nicht nur Schauspiel, kein Musical und gewiss keine Operette. Sie bringt raue Wirklichkeiten auf die Bühne, die schon immer gültig und aktuell waren und es geblieben sind. Gerade diese Eigenschaften werden durch die Komposition unterstützt und herausgearbeitet, die Musik vergrößert bestimmte zentrale Stellen und Höhepunkte wie eine Lupe. Jonathan Jeremiah Peachum – meine Rolle in diesem Stück – habe ich mir gewünscht. Peachum ist ein Paradebeispiel für das, was Überlebenskampf in einem rauen Umfeld und die Gier nach Macht aus einem Menschen machen können. Er schwingt sich mit Rücksichtslosigkeit, Habgier, Geltungsdrang und Bauernschläue zum König der Bettler auf und nutzt berechnend die Schwächen der einen wie der anderen Seite zu seinem Vorteil. So gut vorgegebene und textlich ausgearbeitete Rollen begegnen einem Darsteller in den Standardwerken des Musiktheaters kaum. Noch dazu finde ich den ungemein dichten atmosphärischen Kompositionsstil Weills sehr reizvoll und inhaltlich stückbezogen, hier trägt die Musik den Text unmittelbar und obwohl man die Entstehungszeit deutlich hört, ist alles modern und uns jetzt Lebenden nahe geblieben.