Jede Nummer ein Hit

Bryan Rothfuss über seine Rolle in »Die Csárdásfürstin«
In der Spielzeit 2017/2018 wurde mir die Ehre zuteil, gleich in allen vier Neuproduktionen mitzuwirken. Wo in der Uraufführung des Musicals »Zzaun!« und in Kurt Weills »Dreigroschenoper« mein komödiantisches Talent und Charakterspiel gefordert wurde und ich in der Berliner Operette »Frau Luna« als Prinz Sternschnuppe funkeln durfte, so freute ich mich doch ganz besonders auf die Rolle des Edwin in der letzten Premiere der Saison: Emmerich Kálmáns Meisterwerk »Die Csárdásfürstin«.

Uraufgeführt in Wien im November 1915, war ihre Entstehung vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges maßgeblich geprägt. Der erste Akt, leicht und zuversichtlich, wurde noch im Jahr 1914 fertiggestellt. Doch darauf folgte eine mehrmonatige Unterbrechung, da nicht abzusehen war, ob überhaupt ein Theaterbetrieb möglich sein würde. Und so wankt der zweite Teil zwischen der Erinnerung an schönere Zeiten und einem fast gleichgültigem Rausch. Musikalisch sprüht »Die Csárdásfürstin« nur so vor Ideenreichtum und jede Nummer ist ein Hit. Eingebettet sind die Melodien in die herzzerreißende Liebesgeschichte Sylvas und Edwins, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen kommen, dessen strikte Konventionen ein Zusammenkommen unmöglich erscheinen lassen.

Edwin ist dabei für mich eine zwischen Pflichtbewusstsein und seinem Streben nach persönlicher Glückseligkeit gefangene Person, der zwar Verletzlichkeit zulässt, aber seinen Stolz nur mit Hilfe seiner Seelenverwandten Stasi und seines besten Freundes Boni überwinden kann. Ein echter Mensch also, mit Ecken und Kanten – eine wunderbare Herausforderung für einen Darsteller. Axel Köhler, Sängerkollege und kongenialer Regisseur, hat diese Geschichte behutsam ins Heute übertragen. Die musikalische Leitung von Peter Christian Feigel verspricht einfühlsame Liebesweisen mit modernem Operettenklang zu verbinden. Das alles macht es unglaublich spannend – I just can't wait!