Vor der Premiere: Helle Komödie trifft schwarzen Humor

Franz von Suppés »Die schöne Galathée« und Giacomo Puccinis »Gianni Schicchi« zu einem Theaterabend zusammenzufügen, mag manchem gewagt erscheinen. Betrachtet man die Antiken-Satire aus dem Wien des Jahres 1865 und die italienische Erbschleicher-Komödie von 1918 jedoch etwas näher, so bemerkt man, dass sich die beiden zu einem sinnvollen Einakter-Abend ergänzen. Ihre inhaltliche Klammer ist die Gier, besitzen zu wollen – sowohl das Besitzen von Menschen, als auch das Besitzen von Materiellem. Ich empfinde »Die schöne Galathée« als helle Komödie, während in »Gianni Schicchi« der schwarze Humor vorherrscht. Dies wird sich auch im Visuellen zeigen: Mein Ausstatter Arne Walther und ich haben uns zwei Räume ausgedacht, die sich einerseits sehr ähneln, andererseits – dank der kontrastierenden Farben weiß und schwarz – trotzdem komplett unterschiedlich sind. Details wie der Statuen-Gedanke werden sich auch als optische Klammer in der übrigen Ausstattung wiederfinden. Ich bin immer auf der Suche nach dem, was die Stücke uns heute noch zu sagen haben. Die Übertragung in die Gegenwart ist dabei ein legitimes dramaturgisches Mittel. Zu allen Zeiten gab es Künstler, die seltsame Arten der Inspiration benötigten. Der Bildhauer Pygmalion in »Die schöne Galathée« ist eine wunderbar schräge Type, der das griechische Ambiente benötigt, um sich mit der Statue der Nymphe Galathée die ideale Frau zu erschaffen. Leider sieht die menschgewordene Statue ihr erotisches Ideal in seinem jungen Lehrling…

»Gianni Schicchi«, die einzige komische Oper Puccinis, kommt ganz aus der Tradition der Commedia dell’arte und setzt die Reihe der heiteren Spielopern an der Staatsoperette würdig fort. Und die habgierige Erbschleicher-Sippe ist ein gefundenes Fressen für das spielfreudige Ensemble der Staatsoperette, das ununterbrochen auf der Bühne ist und neben virtuoser Gesangskunst auch brillante Behändigkeit im Spiel aufweist. Um die sarkastischen Wortpointen ebenso zungenflink wie verständlich über die Rampe zu bringen, spielen wir »Gianni Schicchi« in deutscher Übersetzung.

Axel Köhler