Intergalaktisches Rendezvous

Regisseur Andy Hallwaxx zur Inszenierung »Frau Luna«
Der Mond besitzt einen geheimnisvollen Zauber, der die Gefühle und Gedanken der Menschen immer schon bewegt hat. Unzählige Mythen, Legenden, Bücher und Filme beschäftigen sich mit diesem Himmelskörper, aber auch Opern, Operetten und Musicals haben diesen magischen Ort zum Thema. In der Operettenwelt nimmt »Frau Luna« den wichtigsten Platz ein. Als Inbegriff des Verführerischen, des Schönen und Erotischen weckt Frau Luna Sehnsüchte nach ihrem märchenhaften Wunderreich. Und so ist es kein Wunder, das so mancher Abenteurer von einer Reise zum Mond träumt. So wie ich! Auch für mich ist der Mond immer schon eine interessante Reisedestination, denn es ist der Ort, an dem alles möglich zu sein scheint. Das ist wie beim Theater! Eine Operetteninszenierung ist manchmal auch wie eine Reise zum Mond: niemand weiß von vornherein, wie sie ausgehen wird. Ein gelungener Raketenstart entsteht nicht durch die einfache Umsetzung eines Plans, sondern durch ununterbrochene Überwindung unzähliger und unvorhergesehener Hindernisse. Dies hängt zusammen mit der großen Startmasse (Chor und Orchester), den hochexplosiven Brennstoffen (Sänger und Schauspieler), den hohen Kosten, die bei einem Fehlstart zu verantworten sind (Intendanz) und schließlich mit der Schaffung von idealen Start- und Flugbedingungen (Regie, Bühne, Kostüm).

Aber vom Mond aus betrachtet spielt das Ganze gar keine so große Rolle.Was allerdings wirklich von welthistorischer Bedeutung ist und die Weltraumforschung bisher verschwiegen hat, habe ich im Zuge meiner Vorbereitungen zu »Frau Luna« herausgefunden. Der erste Mensch auf dem Mond war nicht Neil Armstrong, sondern ein Schneidermeister aus Dresden!Fritz Steppke ist Mechaniker und wohnt zur Untermiete bei der Witwe Pusebach in Berlin. Er ist verlobt mit der Pusebach-Nichte Marie und hat sich aus alten Küchengeräten ein Raumschiff gebaut. Mit von der Mondpartie sind auch die besten Freunde, eben besagter Schneidermeister aus Dresden, Herr Lämmermeier, und Pannecke, ein Steuerbeamter. Schon Ende der fünfziger Jahre gelang den drei ungleichen Freunden die Sensation und sie hoben ab, »um zu kieken, wat da oben uff dem Mond so los is!«Und ob dort was los war! Gleich nach ihrer Ankunft fanden sie zu ihrer größten Freude heraus: Der Mann im Mond ist eine Frau! Und was für eine! Frau Luna, die Beherrscherin der Nacht, der Liebe und der Weight Watchers-Vereinigung. (Ständiges Ab- und Zunehmen, macht auch Mondgöttinnen zu schaffen) Dennoch scheint der Mond ein ewiger Vergnügungspark zu sein. Venus, Mars und die Götter der Gestirne geben sich ein Stelldichein bei rauschenden Festen. Prinz Sternschnuppe liebt Frau Luna, doch diese interessiert sich momentan nur für den Erdling Fritz Steppke. Theophil, der Haushofmeister, erkennt in Frau Pusebach einen seiner amourösen Fehltritte auf der Erde. Pannecke, mit dem sie eigentlich verbunden ist, bändelt mit Frau Venus an. Theophil liebt Stella, die Zofe, und leiht für die Reisenden das Sphärenmobil des Prinzen aus, denn ihr Raumschiff ist explodiert. Nach einigen Turbulenzen findet jeder Topf dann doch seinen Deckel und die Erdbewohner reisen zurück in der Erkenntnis, dass es auf dem Mond auch nicht anders zugeht als in der heimischen Mansardenwohnung.

Mit legendären Gassenhauern, »Glühwürmchen-Idyll« oder Walzern lädt die fantastische Mond-Regentin zu einem himmlischen Rendezvous in die Staatsoperette ein. Flotte Rhythmen, kecker Witz, Tempo und Charme ergeben zusammen jenes intergalaktische Entertainment, welches schon im Berlin der 20er Jahre die Milchstraße vor Vergnügen zum Überlaufen brachte!»Frau Luna« ist in erster Linie große Unterhaltung, eine fantastische Ausstattungsrevue, und auch wer nicht mit Spreewasser »jeimpft ist«, so wie ich, der ich aus Wien komme, wird das genauso fühlen. Das Publikum soll sich unterhalten, abspannen und mitsingen.Der Charme kommt dabei aus Wien, das Tempo aus Berlin und der Humor ist der Universal-Kleber, der alles zusammenhält.Ich wünsche eine gute Reise. Der Countdown läuft.
Andy Hallwaxx