Vor der Premiere: Andreas Schüller über »Die schöne Galathée | Gianni Schicci«

»Gianni Schicchi« ist Giacomo Puccinis einzige komische Oper. Zuvor hatte sich der erfolgreichste Opernkomponist seiner Generation bereits einer Komödie zugewandt, und dies ist der Stadt Wien zu verdanken. Die Direktion des dortigen Carltheaters – also jener Institution, die auch schon zahlreiche Uraufführungen von Franz von Suppé, Johann Strauss, Franz Lehár oder Leo Fall auf die Bühne brachte – hatte dem italienischen Meister den Auftrag für eine Operette erteilt. Das dabei entstandene Werk, »La Rondine« (oder wie es in der deutschen Fassung heißt: »Die Schwalbe«), wurde zwar ob der Verwirrungen durch den ersten Weltkrieg nicht in mehr in Wien uraufgeführt, aber Puccini, der begeisterte Fan der Operetten Lehárs, hatte sich erstmalig dafür begeistern können, auch untragische Stoffe zu vertonen. Überhaupt verband Puccini mit Lehár, dem meist gespielten Operettenkomponisten seiner Zeit, eine langjährige Freundschaft.

Lehár, der wesentlich jüngere der beiden, war von Puccinis großen Opern zutiefst fasziniert und strebte danach, auch in seinen Werken ein spezifisches Nationalkolorit kompositorisch zu erzeugen, so wie es Puccini in »Madama Butterfly« oder »Turandot« so vorbildlich gelungen war. Die beiden Komponisten waren jedenfalls nicht nur treue Fans und Bewunderer des jeweils anderen, sie standen auch in reger Korrespondenz und übermittelten selbstverständlich dem Kollegen die jeweils neu im Druck erschienenen Werke. Die treue Freundschaft der beiden Tonschöpfer überdauerte selbst die nationalistischen Verwerfungen rund um den ersten Weltkrieg unbeschadet. Für ein Theater wie die Staatsoperette, das sich in den vergangenen Jahren so intensiv mit Lehár auseinandergesetzt hat, wird es nun höchste Zeit, auch einmal Puccini zu seinem Recht zu verhelfen. Möge der Florentinische Testamentsfälscher Gianni Schicchi seinem Schöpfer alle Ehre machen!

Andreas Schüller